02.04.2014 Rolle rückwärts in der Verkehrsgeschichte
Keine Verkehrsbeschränkungen bis zur Fertigstellung

Schaumburger Wochenblatt / 2.4.2014

Rinteln

(ste) Der Ortsrat mit Ortsbürgermeister Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU) an seiner Spitze hatte sich schon einen Tag vor der Ratssitzung zu einer Sperrung der Dauestraße an der Schrankenanlage in südlicher Richtung gegen die Stimmen von SPD und Grünen durchgerungen. Dieser Beschluss wurde in der Ratsversammlung durch SPD/Grünen Mehrheit wieder verworfen.

Vorgelagert war eine lang anhaltende Diskussion in der „unendlichen Verkehrsgeschichte“ der Stadt. Die SPD mit Frontfrau Astrid Teigeler-Tegtmeier hatte beantragt, dass bis zur Fertigstellung der Verbindungsstraße Nord bis auf die Verkehrsbeschränkungen im Graebeweg und Burgfeldsweide keine weiteren Maßnahmen zur Verkehrslenkung vorgenommen werden. Erst olle man neue Verkehrszählungen durchführen und schauen, ob die neue Straße im Norden der Stadt eine Entlastung für einzeln Bereiche bringt.

Teigeler-Tegtmeier kündigte an, dass man ohnehin weiter den Schilderwald der Stadt durchforsten wolle. Ein Vorhaben, was grundsätzlich auch auf die Zustimmung von Dr. Gert Armin Neuhäuser (WGS) stößt, der jedoch Bedenken hatte, dass die von ihm als unnötig empfundene Verbindungsstraße nord nur noch weitere Verkehrsbelastungen in die Stadt bringe. Sehr deutlich wurde Veit Rauch (CDU) bei seiner Erklärung bezüglich einer Sperrung der Dauestraße in Süd-Nord-Richtung: „Damit holen wir die Hälfte des Verkehrs aus dem Wohngebiet heraus!“ Für Missmut bei den Anliegern der Drift, die „… ein halbes Pfund Butter vom WEZ kaufen und deshalb keinen Umweg fahren wollen“, habe er kein Verständnis. Das sah Ursula Helmhold anders. Es gäbe kein anderes Wohngebiet, bei dem man so große Umwege fahren müsse, um herauszukommen. Sie stellte hilfsweise schon einmal den Antrag, dass statt einer unintelligenten Sperrung die intelligente Schrankenregelung wieder in Kraft treten solle. Doch die scheut die CDU wie der Teufel das Weihwasser. Veit Rauch wetterte: „Wir müssen uns entscheiden zwischen Pest und Cholera; alles auf, oder alles zu. Dazwischen gibt es nichts!“ Ursula Helmhold rügte diese emotional geführte Diskussion, die Bewohner unterschiedlicher Wohngebiete gegeneinander ausspiele: „Mittlerweile fahren schon Fahrzeuge laut hupend durch die Drift, um die Menschen dort zu provozieren; alles Ausfluss ihrer Politik“, wandte sie sich in Richtung der CDU. Nach dem ursprünglich in Auftrag gegebenen Verkehrsgutachten werde nicht entschieden, nur aus dem Bauch heraus. Ein Teil aus dem Gutachten sei die gut funktionierende Schranke gewesen, die man ohne Not aufgegeben habe mit Entfachung einer Neiddebatte von östlichem und westlichem Wohnquartier: „Sie schaffen Unfrieden und verursachen höhere Quell- und Zielverkehre“, rief sie Rauch und der CDU zu.

Mehrheitlich entschied sich der Rat dann mit Stimmen von SPD/Grünen (18) für den Antrag von Astrid Teigeler-Tegtmeier. Nun soll abgewartet werden, wie sich Verkehrsströme entwickeln und dann wird die Diskussion neu aufgelegt. Auf den kommenden Bürgermeister, heißt er Friedrich-Wilhelm Rauch oder Thomas Priemer, kommen Probleme zu, die Rinteln schon seit langem kennt.

Foto: ste
Friedrich-Wilhelm Rauch ist ein erklärter Gegner der „Schranke“.