30.05.2014 Sieben Bürgermeister-Stimmen fehlen

Vorbereitungen für Stichwahl am 15. Juni laufen / Priemer und Rauch setzen auf Wähler-Mobilisierung

Schaumburger Zeitung / 30.5.2014

Rinteln

Von Lars Lindhorst
Thomas Priemer hat die absolute Mehrheit bei der Bürgermeisterwahl noch knapper verpasst als sich aufgrund des vorläufigen Wahlergebnisses am späten Sonntagabend annehmen ließ: Dem SPD-Kandidaten fehlen am Ende nur sieben Stimmen an der 50-Prozent-Marke und seiner direkten Wahl zum Rintelner Bürgermeister.

Der Stadtwahlausschuss hat noch einmal genau nachgezählt: Nach Angaben von Hauptamtsleiter Jörg Schmieding hat Thomas Priemer insgesamt 5366 Stimmen erhalten. 5373 hätte er für die absolute Mehrheit gebraucht. Der Wahlausschuss hat formal die Notwendigkeit einer Stichwahl zwischen Priemer und Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU) am 15. Juni bestätigt.

Im Rathaus heißt das aber auch: „Alles auf Anfang“. Wie Schmieding berichtet, haben knapp 1300 Rintelner die Briefwahl beantragt. Die Wahlunterlagen werden bereits ab Freitag an die entsprechenden Haushalte verschickt. Dazu ist ab sofort im Bürgerbüro der Stadt auch die Briefwahl vor Ort möglich.

Ihre Wahlkarten haben Rintelns Wähler am vergangenen Sonntag für den Fall einer Stichwahl vorsorglich schon wieder mit nach Hause bekommen. Sie berechtigen automatisch auch zur Wahl am 15. Juni.

Wer die Karte nicht mehr hat, darf trotzdem wählen gehen, sagt Jörg Schmieding. Bei Verlust reiche die Vorlage des Personalausweises im Wahllokal aus.

Ob tatsächlich so viele Rintelner wählen gehen wie am letzten Sonntag, ist fraglich. Generell ist das Interesse an Stichwahlen nicht so hoch; dazu kommen Veranstaltungen am Wochenende. In Rinteln lockt der Bauernmarkt; im ganzen Weserbergland das Felgenfest. Sehr wahrscheinlich wird, so Schmieding, die für Autofahrer gesperrte Felgenfeststrecke in Exten umgeleitet. Sie führt direkt am Wahllokal, der Grundschule, vorbei. Im Rathaus arbeite man derzeit an Alternativrouten.

Für die Wähler in Hohenrode und Strücken wird dazu ein Fahrdienst eingerichtet. Die Feuerwehr bringt nach Anmeldung im Rathaus die Einwohner per Bulli zwischen Radlern hindurch zu den Wahllokalen.

Mit der Stichwahl kündigen sich auch etliche Zusatzkosten für die Stadt an. Mit dem Porto für die Briefunterlagen liegt die Stadt nach Schmiedings Schätzung bei rund 2000 Euro.

Hinzu kommen auch die Aufwandsentschädigungen für die rund 200 Wahlhelfer – 25 Euro pro Person –, neue Stimmzettel müssen ebenfalls gedruckt werden. Jörg Schmieding taxiert die Kosten im unteren fünfstelligen Bereich, der Personalaufwand in der Verwaltung ist da nicht eingerechnet.

Die beiden Kandidaten hat fünf Tage nach der Wahl der Alltag wieder eingeholt. Priemer nimmt seine Dienstgeschäfte als Bürgermeister im Auetal wahr, Rauch arbeitet in der Kanzlei seiner Lebensgefährtin an liegen gebliebenen Akten. Den großen Wahlkampf-Aufmarsch planen weder Rauch noch Priemer. Für die Vermittlung von Themen bleibt ohnehin nur wenig Zeit.

„Wir sammeln uns gerade so ein bisschen“, sagt Rauch zu den kommenden Schritten der Rintelner CDU. Er werde noch die eine oder andere Feuerwehr und einen Verein besuchen. „Wichtig ist, die Wähler zu motivieren, noch einmal an die Urnen zu gehen.“ In der Kernstadt, wo die Wähler der CDU traditionell gewogen sind, war die Wahlbeteiligung am Sonntag nicht sehr hoch. „Das war schon enttäuschend“, meint Rauch.

Priemer plant noch weitere Hausbesuche und will angesichts der Veranstaltungen am 15. Juni verstärkt für die Briefwahl werben. Warum und weshalb ihm am letzten Sonntag nur sieben Stimmen fehlten, verpackt der SPD-Kandidat in die Schublade „Vergangenheit“. „Analysen sind nicht zielführend“, meint er. Sein Blick richte sich allein nach vorne.