28.05.2014 Nach der Wahl ist vor der Wahl

Am 15. Juni wird die Stichwahl über den Bürgermeister entscheiden / Kernstadt will Rauch, Ortsteile wollen Priemer

Schaumburger Wochenblatt / 28.5.2014

Rinteln

(ste). Die Spannung im Rathaus der Stadt Rinteln steigt am Sonntagabend minütlich. Nur noch drei Wahlbezirke sind um 19.45 Uhr auszuzählen und Thomas Priemer (SPD) fehlen nur noch hauchdünne 14 hundertstel Prozent zur absoluten Mehrheit. Um 19.56 Uhr ist es dann soweit. 50,06 Prozent und nur noch Exten ist nicht ausgezählt. Die SPD jubelt, zurückhaltende Enttäuschung bei der CDU und ihrem Kandidaten Friedrich-Wilhelm Rauch. Dann, 20.05 Uhr, ein frenetischer Jubel beim der CDU und Stadtverbandsvorsitzender Veit Rauch freut sich: "Stichwahl!" Das letzte Ergebnis ist eingerechnet und Thomas Priemer fehlen knapp zwei Hände voll Wählerinnen und Wähler für eine absolute Mehrheit. Er muss am 15. Juni parallel zum Felgenfest gegen Friedrich-Wilhelm Rauch antreten und erst dann entscheidet sich, wer künftig im Rathaus von Rinteln die Richtung vorgeben wird.

Klar wird, dass Heinz-Josef Weich (parteilos) mit seinem Achtungsergebnis von 5,29 Prozent das Zünglein an der Waage war und er ein eindeutiges Ergebnis im ersten Wahlgang verhinderte. Auf einen kurzen Nenner gebracht könnte man sagen: Die Kernstadt will Rauch als Bürgermeister, die Ortsteile Priemer. Der kann in Ahe, Deckbergen, Schaumburg, Möllenbeck, Krankenhagen, Volksen, Uchtdorf, Friedrichswald, Goldbeck, Strücken, Hohenrode, Steinbergen, Engern, Exten und in der Grundschule Süd, im Kindergarten Hopfenberg, bei Stüken und in der Straßenmeisterei Rinteln die meisten Stimmen auf sich verbuchen. Friedrich-Wilhelm Rauch holt seine Mehrheiten aus den Wahlbüros in Westendorf, Wennenkamp, Todenmann, im Schulzentrum, Ostertorstraße, Brückentor, Andeplatz und Stadtwerke. Erschreckend die zum Teil katastrophal niedrige Wahlbeteiligung von bis unter 35 Prozent. Die Gesamtbeteiligung liegt allerdings bei 50,98 Prozent. Die Bewertung der Ergebnisse lässt nach der Wahl nicht lange auf sich folgen. Während Veit Rauch (CDU) das Ergebnis seines Bruders als "ganz stark" bewertet, ist die SPD mit Thomas Priemer enttäuscht, dass es zu einer Stichwahl kommt. Dennoch: Bis zum 15. Juni wollen jetzt beide Kandidaten noch einmal richtig Gas geben und ihre Positionen den Wählerinnen und Wählern verdeutlichen. Dabei will Priemer seinen fachlichen und sachlichen Wahlkampfstil auch weiterhin nicht verlassen und zeigte sich zuversichtlich, dass er im zweiten Wahlgang als Sieger hervorgehen wird. Zufrieden und zuversichtlich zeigte sich auch Friedrich-Wilhelm Rauch. Er sah sein Ergebnis aus Motivation für die nächsten drei Wochen und will sich nun, nachdem er sich bislang stark auf die Ortsteile im Wahlkampf konzentriert hatte, mehr in der Kernstadt als sein "Homeland" aufhalten. Auch er kündigte an: "Der Wahlkampf bleibt fair!"

Das Ergebnis in absoluten Zahlen: Von 21.265 Wahlberechtigten haben 10.841 gewählt, 99 davon ungültig. Thomas Priemer erhielt 5.363 Stimmen (49,92 Prozent), Friedrich-Wilhelm Rauch 4.810 Stimmen (44,77 Prozent) und Heinz-Josef Weich 569 Stimmen (5,29 Prozent). Spannend dürfte nun sein, wie sich die Wähler des parteilosen Weich im zweiten Wahlgang verhalten und wem sie - sofern sie wählen gehen - ihre Stimme geben. Am 15. Juni, parallel zum Felgenfest, findet die Stichwahl statt. Bis dahin haben die Kandidaten und Parteien jetzt noch alle Hände voll zu tun.