26.05.2014 Neun Stimmen zu wenig für Priemer

Mit 49,92 Prozent absolute Mehrheit verpasst / Rauch: 12 Prozent Zuwachs / Stichwahl am 15. Juni

Schaumburger Zeitung / 26.5.2014

Rinteln

Von Dietrich Lange

Die Spannung war bis zur letzten Minute groß: Schafft Thomas Priemer (SPD) die absolute Mehrheit oder nicht? Um 20.05 Uhr gab Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz dann das vorläufige Endergebnis bekannt: Priemer 49,92 Prozent, Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU) 44,79 und Heinz Josef Weich (parteilos) 5,29 Prozent. Das bedeutet Stichwahl zwischen Priemer und Rauch am Sonntag, 15. Juni.

Bis 18.45 Uhr lag Rauch nach Auszählung der ersten Wahllokale sogar in Führung, doch dann übernahm Priemer die Spitze und gab sie nicht mehr ab. Immer wieder übersprang er dabei die 50-Prozent-Marke, doch am Ende fehlten umgerechnet neun Stimmen. Auffällig war die zum Teil sehr schwache Wahlbeteiligung in der Kernstadt, eigentlich eine Domäne der CDU. Im Brückentorfoyer gingen nur 38,24 Prozent zur Urne, bei den Stadtwerken 34,06 und in der Finanzschule 35,85 Prozent.

Weich wurde nur ganz zu Beginn des Wahlabends im Sitzungssaal des Rathauses gesehen, verschwand dann aber. Auch sein Handy hat er gestern Abend nicht abgenommen.

Dafür traten kurz nach der Bekanntgabe des Ergebnisses die beiden Kandidaten der großen Parteien in den Saal und gaben sich beide optimistisch, bis zur Stichwahl noch die nötigen Prozentpunkte zu holen.

Thomas Priemer meinte: „Ein gutes Wahlergebnis, wenn mir auch etwa zwei Handvoll Stimmen fehlen. Dass es nun eine Stichwahl gibt, ist nicht schön. Aber ich bin ziemlich zuversichtlich. Wir müssen das Ergebnis im Detail analysieren und mit den Parteikollegen besprechen, wie wir die nächsten drei Wochen bestreiten. Mein Wahlkampf war von Sachlichkeit und Fachlichkeit geprägt.“ Wo er Fehler gemacht hat, wusste Priemer noch nicht zu sagen. Eine härtere Gangart will er vor der Stichwahl nicht einschlagen. Und zum Feiern war ihm gestern Abend auch nicht zumute. Mit den Parteifreunden wollte er die „Bodega“ ansteuern, um „wahrscheinlich ein Bier oder eine Brause zu trinken“.

Eher in Feierlaune dagegen die CDU. Friedrich-Wilhelm Rauch: „Im Vergleich zu 2006 bin ich zufrieden, dass ich die Stichwahl erreicht habe. Ich habe deutlich aufgeholt und bin optimistisch für die Stichwahl in drei Wochen.“

Die schlechte Wahlbeteiligung in der Kernstadt ist auch Rauch aufgefallen. Grund? „Wir haben uns ziemlich auf die Ortsteile konzentriert, wo wir bisher schwach waren. In der Kernstadt haben wir im Vergleich dazu relativ wenig gemacht. Dafür haben wir aber zum Beispiel in Goldbeck klar zugelegt.“ Auch Rauch will in den nächsten drei Wochen fairen Wahlkampf machen. „12 Prozent mehr, das ist doch ein Grund, ein Bier zu trinken oder mehr“, sagte er und steuerte mit Parteifreunden das Hotel „Stadt Kassel“ an.

Bernd Wübker, Stadtverbandsvorsitzender der SPD, wirft der CDU „merkwürdige Argumente“ auf der Zielgeraden vor, sieht bei leichtem Nachjustieren des Wahlkampfeinsatzes aber den Wahlsieg am 15. Juni für Priemer als gesichert an. Veit Rauch (Vorsitzender von CDU-Stadtratsfraktion und -Stadtverband) will dagegen mit der CDU noch mal ordentlich Gas geben, damit es am 15. Juni für seinen Bruder Friedrich-Wilhelm reicht.

Foto: tol
Bild links: Jubeln: Heinz-Jürgen Requardt (v.l.) und Matthias Wehrung gratulieren dem unterlegenen CDU-Kandidaten Friedrich-Wilhelm Rauch.
Bild rechts: Eher nachdenklich und enttäuscht: Astrid Teigeler-Tegtmeier (SPD-Ratsfraktionsvorsitzende) und SPD-Kandidat Thomas Priemer.