26.05.2014 Das Ganze auf Null

KOMMENTAR von Stefan Reineking

Schaumburger Zeitung / 26.05.2014

Rinteln

So ganz unerwartet kommt das Ergebnis der gestrigen Bürgermeisterwahl in Rinteln nicht: Thomas Priemer, von der SPD als Nachfolgekandidat für den Amtsinhaber Karl-Heinz Buchholz nominiert, ging zwar als Sieger aus dem Urnengang hervor, erreichte aber nicht die absolute Mehrheit von über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen – und mag nun jene Parteifreunde verfluchen, die nach dem Regierungswechsel in Hannover im Verbund mit den Grünen das Wahlrecht geändert haben. 

Ohne die Reform könnte er sich schon heute als künftiger Bürgermeister der Weserstadt fühlen. Nun muss er also in drei Wochen zur Stichwahl antreten und trifft mit Friedrich-Wilhelm Rauch von der CDU auf einen Herausforderer, der für die heimischen Christdemokraten endlich mal wieder ein sehr gutes Ergebnis eingefahren hat. Eines, dass noch besser hätte ausfallen können, wenn die Wahlbeteiligung in der Kernstadt, normalerweise eine Domäne der Christdemokraten, nicht so desaströs gewesen wäre: Dort gingen im Schnitt weniger als 40 Prozent zur Wahl.

Stattfinden wird die Stichwahl am Sonntag, 15. Juni. Dann wird sich zeigen, was das gestrige Ergebnis für den Wahlsieger Thomas Priemer wert ist. Drei Wochen haben die beiden Kandidaten nun Zeit, sich und ihre Vorstellungen dem Wähler noch näher zu bringen, wobei es am Ende darauf ankommen wird, wer sein politisches Lager besser mobilisieren kann. Denn Stichwahlen, das hat die Vergangenheit gezeigt, stoßen in der Regel auf wenig Gegenliebe beim Wähler, der dies mit verstärkter Wahlabstinenz zum Ausdruck bringt.

Eines ist aber schon heute klar: Eine Richtungswahl wird der erneute Urnengang nicht sein. Zu ähnlich sind sich die Konzepte der beiden Kandidaten, die zudem vom Rat abhängig sind, der in der Vergangenheit die großen Entscheidungen stets in großer Einmütigkeit getroffen hat. So entscheidet dann der Wähler am Ende eher emotional: nach Sympathie!