24.04.2014 Rauch bei Facebook leicht in Führung

Aber Priemer punktet mit einfallsreicher Foto-Aktion / Der Bürgermeisterwahlkampf online

Schaumburger Zeitung / 24.4.2014

Rinteln

(pk) Mit der Benennung der Bürgermeisterkandidaten für die Wahl an 25. Mai ist der Wahlkampf offiziell eröffnet worden. Seitdem geben sich die drei Kandidaten bei vielen öffentlichen Veranstaltungen die Klinke in die Hand und buhlen um die Aufmerksamkeit und Sympathien der Wähler. Aber der Wahlkampf findet auch im Internet statt.

Sucht man bei Google nach Thomas Priemer (SPD), dann ist der erste Treffer prompt die Website desselben. Ebenso verhält es sich bei Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU). Bei Heinz Josef Weich (parteilos) ist es anders. Hier ist der erste Treffer ein Youtube-Video, das die Bewerbungsrede Weichs auf dem Parteitag der Linken im Jahr 2010 um den Parteivorsitz zeigt. Ein paar Treffer weiter quittiert „Bild online“ die Rede mit den Worten: „Büttenrede oder Bewerbung? – Niedersachse verlacht Linken-Parteitag“. Weichs Website findet sich erst auf Seite 2 der Suchergebnisse und dort an vierter Stelle.

Auf der grün-weiß gehaltenen Seite www.heinz-josef-weich.de stellt sich der unabhängige Kandidat mit einem zwar bewegten, aber stichwortartig gehaltenen Lebenslauf vor und listet seine mitunter sehr ehrgeizigen Ziele auf, wie etwa die Erhaltung des Rintelner Krankenhauses. Eine weitere Rubrik ist seinen „Aktivitäten“ vorbehalten – die allerdings noch ihrer Dokumentation harren. Insgesamt bestechen Weichs Texte durch Kürze.

Als wesentliche Motivation für das Amt des Bürgermeisters nennt Weich dort eine sogenannte „Parteienblockade“, die dazu führe, dass die am stärksten im Stadtrat vertretene Partei, die SPD, andere Vorschläge blockieren könne, bloß, weil sie von einer anderen Fraktion kämen. Mit Weich als fraktionslosem Bürgermeister hätte diese „Parteienblockade“ ein Ende, verspricht er.

Weiter finden sich auf der Internetseite ein Veranstaltungskalender sowie Weichs Kontaktdaten. Allerdings kann die Beantwortung von E-Mails bis zu einem Tag dauern. „Ich habe zu Hause keinen Computer“, erklärt er. Alternativ ist Weich über Telefon, inklusive Handy, zu erreichen. Einen Link zu Facebook sucht man indes vergebens, in dem sozialen Netzwerk ist Weich nicht angemeldet.

Nicht so bei Friedrich-Wilhelm Rauch. Auf der in „Rintelner Orange“ gehaltenen Seite www.buergermeister-fuer-rinteln.de findet sich auch ein Link zu seiner eigens für den Bürgermeisterwahlkampf eingerichteten Facebookseite.

Nichtsdestotrotz scheint Rauch dem sozialen Netzwerk skeptisch gegenüberzustehen. Unter „Hinweis zu Facebook“ rät der CDU-Kandidat davon ab, dem sozialen Netzwerk zu gestatten, sein E-Mail-Adressbuch durchsuchen zu lassen: „Zu empfehlen ist es nicht.“ Wieso, erklärt er nicht. Rauch zeigt sich bei Facebook von seiner privaten Seite: „Hallo Rinteln, hier erfahren Sie jeden Tag etwas mehr über mich!“ Er postet putzige Kinderfotos, die ihn Arm in Arm mit seiner kleinen Schwester, mit seinem Vater, dem Schlachter, oder umgeben von Würsten zeigen, versehen mit Sprüchen, wie: „Unser Familienleben brachte es so mit sich, dass ich den Würsten keinesfalls abgeneigt war: Wenn es um die Wurst ging, war ich schon damals präsent!“ Konkrete Stellungnahmen zu aktuellen politischen Themen finden sich auf Facebook kaum. Die finden sich auf seiner Website, wo es wesentlich nüchterner zugeht.

Gesäumt von dem Wahlkampfslogan „Mit Herz und Verstand – einer von uns“ und einem Foto, das Rauch als aufmerksamen Zuhörer des Bürgers zeigt, sucht der CDU-Kandidat dort den Kontakt zu den Bürgern, denn „gerade Kommunalpolitik lebt von einer ausgewogenen Kommunikation“. Unter „Kontakt“ findet man dann aber bloß ein Kontaktformular und seine E-Mailadresse, allein im Impressum auch seine dienstliche Telefonnummer. Ohnehin scheint der 53-Jährige in seiner Profession als Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater die wesentlichen Eigenschaften auszumachen, die ihn für das Bürgermeisteramt qualifizieren: Sie „bilden die Basis für schnelle Problemanalysen und die damit einhergehenden erforderlichen fundierten Problemlösungsansätze – insbesondere im Spektrum der Wirtschaftsförderung und Finanzen“, heißt es auf der Website etwas umständlich formuliert.

In der Rubrik „Über mich“ findet sich ein knapp gehaltener tabellarischer Lebenslauf, der auf Ausbildung und berufliche Stationen beschränkt ist. Allein die Unterrubrik „Vereine/Institutionen“ lassen vage Rückschlüsse auf das Privatleben des amtierenden Rintelner Ortsbürgermeisters zu: Neben der Freiwilligen Feuerwehr Rinteln sind dort etwa der Rintelner Carnevals-Verein und der SC Rinteln aufgeführt. Unter „Presse“ finden sich Zeitungsartikel zu aktuellen politischen Fragen, aber auch eine schriftliche Stellungnahme Rauchs zu einem in unserer Zeitung erschienenen Leserbrief zum Thema Schulstandorte.

Thomas Priemers Internetseite präsentiert sich mit lilafarbenen filigranen Buchstaben: „Priemer für Rinteln“ ist dort als Slogan zu lesen. Warum der SPD-Kandidat der Richtige für das Amt des Rintelner Bürgermeisters sein soll? „Weil ich durch meine langjährige Erfahrung in der Kommunalverwaltung mit vielfältigen Führungsaufgaben die Entwicklung meiner Heimatstadt Rinteln gestalten möchte“, schreibt Priemer auf seiner Seite.

Die Website des amtierenden Bürgermeisters der Gemeinde Auetal ist übersichtlich. Aktuelles findet sich unter „Unterwegs in Rinteln“, über Priemer selbst erfährt man mehr unter „Zur Person“. In einer Art offenem Brief stellt er sich seinen Mitbürgern vor, gefolgt von einem tabellarischen Lebenslauf. Seine politischen Ziele sind in einer weiteren Rubrik aufgeführt. Kontakt ist über E-Mail, Telefon und Handy möglich.

Einen Coup hat Priemer mit einer Aktion gelandet, die sich auf seiner Seite unter „Download“ findet. Dort kann man sich ein Formular runterladen, auf dem „Ich wähle am 25. Mai Thomas Priemer weil,…“ steht. Ausgedruckt und entsprechend ergänzt lassen sich seit Tagen Priemer-Wähler mit dem Formular fotografieren. Die Aufnahmen postet Priemer auf seiner Facebookseite „Thomas Priemer für Rinteln“.

Aber: Noch hat Rauch bei Facebook die Nase vorn. Bei Redaktionsschluss gefiel 309 Facebook-Nutzern die Seite des CDU-Kandidaten – gefolgt von 294 Priemer-Fans.

Foto: pk
Mit eigenen Websites sind alle drei Bürgermeisterkandidaten im Internet vertreten. Bei Facebook sind nur Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU) und Thomas Priemer (SPD) angemeldet, Heinz Josef Weich (parteilos) verzichtet.