16.05.2014 Zwei wollen nicht werten

Die Podiumsdiskussion: Den stärksten Applaus gibt es, als Rauch und Priemer eine Antwort verweigern

Schaumburger Zeitung / 16.5.2014

Rinteln

Frank Westermann
Das gibt es auch nicht alle Tage: Den stärksten Applaus gibt es dafür, dass zwei Kandidaten sich weigern, eine Frage zu beantworten. Auf der Podiumsdiskussion unserer Zeitung mit den drei Bewerbern um das Bürgermeisteramt sollten Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU), Thomas Priemer (SPD) und der parteilose Heinz Josef Weich gestern Abend um 20.30 Uhr erklären, was ihnen an ihren beiden Gegenkandidaten nicht gefällt. 

Doch Rauch winkt sofort ab: Das sei eine fast schon provokante Frage, er kenne Priemer schon lange, aber eben nicht sehr gut und werde sich hier öffentlich bestimmt kein Urteil erlauben. Das sieht Priemer ähnlich: Was ihn und Rauch betreffe, sei der Wahlkampf von Fairness geprägt, und, direkt an Rauch gewandt, „ich schätze Dich als Mensch.“ Wie gesagt: zweimal tosender Applaus. Weich steigt auf die Frage ein: Rauch und Priemer hätten das „völlig gleiche Programm“ und würden für die gleichen Dinge einstehen, nur er vertrete die Bürger: „Ich habe ein Programm für die Bürger, die beiden anderen haben Parteiprogramme.“

Finanzen, demografischer Wandel, die fehlende ärztliche Versorgung vor allem auf den Dörfern, die Nachnutzung des Krankenhauses, die Verkehrsprobleme in der Innenstadt, ein Bürgerbussystem, aber auch die Zukunft der dörflichen Gemeinschaften und, nicht zu vergessen, die Frage, ob in der Fußgängerzone weiter geradelt werden darf oder ob unter einem neuen Bürgermeister der Drahtesel geschoben werden muss: In 90 Minuten gab es mehr als genug Themen, bei denen die Redakteure Dietrich Lange und Lars Lindhorst von den Kandidaten Antworten verlangten. Und es war eine öffentliche Diskussion, die einen enormen Publikumszuspruch verzeichnen konnte: Gut 180 Zuhörer drängten sich im Ratskellersaal, viele Stühle wurden zusätzlich hereingeschleppt.

Einig waren sich Weich, Rauch und Priemer nur in einem einzigen Punkt: Die Stadt sollte ein Bürgerbussystem aufbauen, um die Mobilität vor allem der älteren Mitbürger zu steigern, auch wenn Priemer betonte, dass Bürgerbussysteme einen großen Nachteil hätten: Sie würden auf dem Einsatz von Ehrenamtlichen fußen.

Und in die Haare gerieten sich Weich und Priemer. Bei der Frage, wie die Entschuldung der Stadt vorangetrieben werden könne, hatte Priemer für eine hohe Tilgungsleistung plädiert, um dann von Weich gerüffelt zu werden: Er habe den Haushaltsbericht der Gemeinde Auetal gelesen, in der Priemer Bürgermeister sei: „Sie haben seit 2004 den ganzen Schuldenberg vor sich hergeschoben. Sie sagen viel und tun gar nichts.“ Priemer konterte schnell und hart: Dass Weich nach seinen eigenen Worten nicht einmal wisse, wie hoch in Rinteln die Hebesätze der Steuern seien, „das spricht doch für sich.“

Der ganze Abend: Morgen in dieser Zeitung.

Foto: tol
Die Bürgermeisterkandidaten Thomas Priemer (SPD), Heinz Josef Weich (parteilos) und Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU) stellten sich gestern Abend den Fragen der SZ-Redakteure Dietrich Lange (3.v.l.) und Lars Lindhorst (r.).