14.05.2014 Der Gang zum Markt - ein Stück Kultur

Zu Hause beim CDU-Bürgermeisterkandidaten Friedrich-Wilhelm Rauch

Schaumburger Zeitung / 14.5.2014

Rinteln

Von Cornelia Kurth
Wenn CDU-Bürgermeisterkandidat Friedrich-Wilhelm Rauch (53) von der heimelig begrünten Dachterrasse seines Hauses auf die Hinterhöfe der Ritterstraße blickt, dann sieht er nicht nur in einen schönen Garten, sondern auch gleich nebenan das alte Familienhaus der Fleischerei Rauch, in dem er einst lebte. „Ich kann schlachten und Tiere ausnehmen, da führte als ältester Sohn kein Weg dran vorbei, eigentlich hätte ich ja Schlachter werden sollen“, sagt er. „Aber ich bin doch froh, dass dann mein kleiner Bruder Veit richtig begeistert war von der Idee, den Betrieb zu übernehmen. Dadurch kam ich ohne Konflikt aus der Sache raus und konnte lieber Betriebswirtschaft studieren.“

In der großen Küche des im Jahr 2002 neu erbauten Hauses könnte man allerdings problemlos auch wursten, so praktisch ist dort alles eingerichtet und der Boden bis in den Flur hinaus mit Marmorfliesen ausgelegt. Zumindest am Wochenende wird hier ein leckeres Essen gekocht, wobei für die raffinierten Varianten Rauchs Lebensgefährtin Martina Brandt zuständig ist, während er selber lieber der Mann fürs Kurzgebratene ist. „Dafür bin ich jeden Samstag gleich morgens früh auf dem Wochenmarkt“, sagt er. „Das Schlendern über den Markt, Brot und Gemüse einkaufen und dann mit den Leuten zu plaudern, das ist für mich Kultur, das würde ich niemals vermissen wollen.“

Überhaupt ist Friedrich-Wilhelm Rauch jemand, mit dem man locker und völlig unkompliziert ins Gespräch kommen kann. „Ich bin es ja von Kindheit an gewöhnt, auf Menschen zuzugehen“, sagt er. „Alle Kunden meines Vaters kannten auch mich, weil ich ständig im Laden war, und wehe, wenn ich sie dann nicht höflich begrüßte und mit Namen ansprach. Ich wäre dem ja gerne entkommen, aber ich musste ja ins Ladengeschäft, wenn ich was von meinem Vater wollte. Außerdem hing dort unser Telefon, und die Kunden kriegten mit, wenn ich mit meinen Freunden telefonierte.“ Er lacht: „Es hatte schon was, später aus der Kleinstadt rauszukommen und in Bielefeld zu studieren – das war Großstadt.“

Obwohl seine Wohnung durch ein sehr geräumiges Wohnzimmer geprägt ist, mit einer Musikanlage, die problemlos jede Party beschallen könnte, sitzen Friedrich-Wilhelm Rauch, seine Lebensgefährtin und der 16-jährige Sohn Constantin fast immer in der Küche zusammen. Und auch Freunde werden an den Küchentisch gelotst. Den besten Platz nimmt dann meistens der Familienvater ein – denjenigen, wo man durchs Fenster direkt auf den Kirchturm blickt.

Da das Haus ein Neubau ist, konnte es, soweit es das typisch schmale Innenstadtgrundstück zuließ, ganz nach den Wünschen der Besitzer gestaltet werden, also auch mit einem Erker, der schönen Ausblick erlaubt.

Ein eigenes Zimmer besitzt Friedrich-Wilhelm Rauch hier nicht. „Warum auch“, sagt er. „Alles, was ich am Schreibtisch zu tun habe, mache ich eine Etage tiefer, in meinem Büro.“ Das gehört zur Steuerberater-Kanzlei von Martina Brandt, wo er unter anderem als Wirtschaftsprüfer tätig ist. „Ich liebe diesen Beruf“, sagt er. „Meine eigene Steuererklärung zwar, die regt mich auf, die gehe ich immer erst an, wenn das Finanzamt es noch mal angemahnt hat. Aber bei anderen habe ich eine echte Neugier darauf, was in den Betrieben so abläuft und wie scheinbar trockene Zahlen in Wirklichkeit etwas über Lebenszusammenhänge erzählen.“

Martina Brandt ist beim Gespräch nicht dabei und wie so oft unterwegs, um die Finanzen eines Betriebes auf Herz und Nieren zu prüfen. Die beiden sind schon seit 30 Jahren zusammen, und immer mal wieder hören sie die Frage, warum sie eigentlich nicht geheiratet haben.

„Ich weiß nicht, es ergab sich irgendwie nie“, ist die Antwort. „Wir haben uns schon während der Ausbildung kennengelernt und es überstanden, in zwei verschiedenen Städten zu studieren, trotz all der Studentenpartys und obwohl ich schon immer für die CDU war und Monika eher SPD-nah. Vielleicht sind wir da auch einfach nur trotzig, aber jedenfalls gehören wir ja sowieso untrennbar zusammen.“

Heirat oder nicht – Friedrich-Wilhelm Rauch ist ein Familienmensch, dem viel daran liegt, mit Frau und auch dem Sohn Spaziergänge und Fahrradtouren zu machen, und dabei dem Klippenturm oder dem Hofgarten in Möllenbeck einen Besuch abzustatten. Und wenn es darauf ankommt, dann sieht man ihn auch wacker im Bratwurststand seines Bruders Veit die Würstchen grillen. „Das ist ja wohl klar, dass ich da jederzeit einspringe. Allein schon deshalb, weil Blut dicker als Wasser ist.“

Foto: tol
Friedrich-Wilhelm Rauch in der Küche seines Wohnhauses: Er is eher Mann fürs Kurzgebratene, sagt er.