06.02.2014 "Seit Jahren keine seriöse Finanzierung"
Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU) will als Bürgermeister hohe Verschuldung abbauen

Schaumburger Zeitung / 6.2.2014

Rinteln

Von Dietrich Lange
Als gebürtiger Rintelner schon immer an der Entwicklung der Stadt interessiert, will Friedrich-Wilhelm Rauch künftig mehr mitgestalten – und das an maßgeblicher Stelle, nämlich ab Oktober als Bürgermeister. Der CDU-Stadtverband hat ihn dafür einstimmig als Kandidaten nominiert (wir berichteten). Und als wichtigstes Ziel nannte Rauch: „Ich will nicht tatenlos zusehen, wie die Pro-Kopf-Verschuldung der Stadt durch die Decke geht.“

Bei der Pro-Kopf-Verschuldung liege Rinteln laut Bund der Steuerzahler an fünfter Stelle in Niedersachsen, noch vor Stadthagen, hatte der stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Sebastian Westphal bei der Mitgliederversammlung im Ratskellergewölbe erklärt: „Damit kann man keine großen Sprünge machen. Wir brauchen jemand, der den Haushalt der Stadt wieder auf Kurs bringt.“ Der Vorstand des Stadtverbands hatte deshalb Rauch als Kandidaten empfohlen und gleich dessen berufliche und persönliche Eignung hervorgehoben: ein Rintelner durch und durch, von Berufs wegen mit Finanzen bestens vertraut sowie inzwischen mit politischer Erfahrung als Ratsherr und Ortsbürgermeister von Rinteln ausgestattet. Der Vorstand sah bei Rauch alle Anforderungskriterien erfüllt, andere Bewerber hatten schon vorab zurückgezogen (wir berichteten). In der Versammlung wurde auch niemand mehr vorgeschlagen. Die 37 stimmberechtigten Mitglieder wählten Rauch einstimmig zum Kandidaten.

Westphal hatte im Namen des Stadtverbands einen Kandidaten gefordert, der dem demografischen Trend (Rinteln schrumpft von einst fast 30000 Einwohner in Richtung 25000) entgegenwirkt, indem er die Stadt attraktiv für Zuzüge von Familien und Firmen macht. Westphal: „Im Stadtbereich gibt es viele Stellschrauben, um dem Trend entgegenzutreten. Wir müssen besser sein als unsere Mitbewerber an der Autobahn.“

Rauch untermauerte seine Kandidatur zunächst humorvoll: „Ich bin im ehemaligen Krankenhaus Klosterstraße 20, heute Teil des Rathauses, geboren. Und da will ich nun wieder hin.“ Und von dort will er folgende Ziele realisieren:

- Mehr Transparenz für die Bürger bei politischen Entscheidungen, mehr Bürgernähe suchen. „Der Bürger ist innerhalb seiner Gemeinde ein stets kompetenter Ansprechpartner für die Verwaltung. Als Bürgermeister möchte ich ihn durch persönliche Gespräche zeitnah in die Entscheidungsprozesse der Verwaltung und der Ratspolitik mit einbeziehen.“

- Ortsteile stärken. „Hier gilt es, die dörfliche Gemeinschaft weiter zu stärken, Nahversorger anzusiedeln, die ärztliche Versorgung sicherzustellen, Dorfgemeinschaftshäuser zu planen und Brenntage zeitlich begrenzt wieder zuzulassen.“

- Den öffentlichen Personennahverkehr besser strukturieren und für eine bessere Anbindung an die Ballungszentren im Westen und Osten sorgen. „Das ist ein wichtiger Standortfaktor für Rinteln. Wohnen in Rinteln, Arbeiten in Hannover sollte aus Rintelner Sicht möglich sein, zumal der Energieverbrauch und die Schadstoffemissionen pro Fahrgast im ÖPNV erheblich geringer sind als im Individualverkehr.“ Kein zweigleisiger Ausbau der Weserbahn für den Gütertransport. „Güterzüge im fünf-Minuten-Takt sind für mich ein ,No go‘.“ Das geht für Rauch gar nicht.

- Vereine und das Ehrenamt stärken. „Ich will für einen kurzen Draht zwischen Vereinen, Institutionen, den Feuerwehren und der Verwaltung sorgen. Das praktizierte Ehrenamt muss eine adäquate Anerkennung erhalten. Das Ehrenamt soll Spaß machen, und Spaß macht es nur, wenn die Rahmenbedingungen passen. Freiwillige Leistungen für das Ehrenamt dürfen auch bei schwieriger Haushaltslage nicht sofort gekürzt werden, ohne über Alternativen nachzudenken.“

- Mehr für die Senioren tun. „Immerhin sind schon 30 Prozent der Rintelner über 60 Jahre alt“, so Rauch (53). Kürzlich nahm er schon mal interessehalber an einer Sitzung des Seniorenbeirats teil. Er sieht bei den Älteren ein Recht auf ein altersgerechtes Lebensumfeld.

- Die Jugend optimal ausbilden, und das vermehrt in Rinteln. „Daher ist es wichtig, dass für die inklusive Beschulung unserer Kinder und die neue Integrierte Gesamtschule (IGS) Gebäude und Lernbedingungen zur Verfügung gestellt werden, die es unseren Kindern ermöglichen, hoch qualifizierende Bildungsabschlüsse zu erreichen.“ Und Rauch will sich dafür einsetzen, dass die hier aufgewachsenen und ausgebildeten jungen Menschen auch in Rinteln bleiben.

- Die Wirtschaftsförderung verstärken und für solide Finanzen sorgen. Nicht nur Bestandspflege, sondern auch aktive Ansiedlungspolitik für neue Betriebe will Rauch betreiben. „Nur so können neue Arbeitsplätze geschaffen, nachhaltig Steuereinnahmen generiert und die labile Finanzlage stabilisiert werden. Ein ganz entscheidender Punkt der lokalen Wirtschaftsförderung ist das Ausweisen neuer Gewerbeparks, mit kurzen Wegen zur Autobahn und unkompliziert erteilten Baugenehmigungen.“

„Unsere Kommune hat seit Jahren keine seriöse Finanzierung mehr“, erklärte Rauch und warnte: „Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen, dass wir aus Hannover kontrolliert werden und jeden Radiergummikauf für die Verwaltung von dort genehmigt bekommen müssen. Rinteln muss wirtschaftlich selbstständig und handlungsfähig bleiben.“

Rauch räumte ein, dass im Rathaus wohl kein Personal mehr eingespart werden könne, und dort werde außerdem gute Arbeit geleistet. Wo gespart werden könne, ließ Rauch weitgehend offen, hatte doch die CDU in den vergangenen Jahren fast alle großen Ausgaben mitgetragen. Immerhin deutete der Kandidat Unbehagen gegenüber dem Bau der Weserpromenade samt der noch fehlenden Brücke über den Alten Hafen an.

Foto: tol
Ein Bild mit Symbolkraft: Rintelns bisher letzter (allerdings noch ehrenamtlicher) CDU-Bürgermeister, Friedrich-Wilhelm Hoppe (l.), wünscht dem neuen CDU-Bewerber Friedrich-Wilhelm Rauch mit Blumen Erfolg.

Zur Person:
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater
Friedrich-Wilhelm Rauch wurde am 11. Dezember 1960 in Rinteln geboren und wohnt in der Weserstadt. Seit 30 Jahren steht er in Lebenspartnerschaft mit der Wirtschaftsprüferin Diplom-Kauffrau Martina Brandt, beide haben ein gemeinsames Kind.

Nach der Grundschule Süd und der Realschule Rinteln absolvierte Rauch die Höhere Handelsschule in Rinteln und die Fachoberschule Wirtschaft in Stadthagen. Er ließ sich zum Steuerfachangestellten ausbilden, war dann Soldat in Hannover und Nienburg. Sein Fachholschulstudium schloss er als Diplom-Betriebswirt ab, sein Uni-Studium der Wirtschaftswissenschaften als Diplom-Ökonom. Dann war er als Unternehmensberater tätig, arbeitete in verschiedenen nationalen und internationalen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften. Zurzeit ist er bei der Brandt Wirtschaftsprüfung/Steuerberatung in Rinteln tätig.

Rauchs Hobbys sind Segeln, Skifahren und Kegeln. Er ist Mitglied bei den Bürgerschützen, der Ortsfeuerwehr, dem Carnevals-Verein, dem Sport-Club, der Vereinigten Turnerschaft und dem Verschönerungsverein (alle Rinteln). Politisch wirkt Rauch als Ortsbürgermeister der Kernstadt, Mitglied des Rats und Ortsrats, im Verwaltungs- und Finanzausschuss sowie in der Haushaltskonsolidierungsgruppe.