03.05.2014 SPD: Vorstand schmeißt die Brocken hin

Spenner: "Setze mich mit Bürgermeister Priemer politisch nicht mehr an einen Tisch"

Schaumburger Zeitung / 3.5.2014

Auetal

Von Kerstin Lange

Seit der SPD-Mitgliederversammlung mit der Wahl des Bürgermeisterkandidaten Heinz Kraschewski brodelt es im Auetal – und zwar kocht so manche Auetaler Seele ebenso heftig wie die Gerüchteküche. „Das nimmt immer unerfreulichere Formen an und daher gehen wir jetzt an die Öffentlichkeit und erklären, dass mit Ausnahme von unserem Kassierer Wolfgang Niemann, der gesamte Vorstand der SPD Auetal zurückgetreten ist“, erklärte der bisherige SPD-Vorsitzende, Manfred Spenner, jetzt in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Eigentlich wollte man mit der Verkündung dieser Nachricht bis nach der Bürgermeisterwahl warten.

Schließlich betreffen die Querelen nicht nur den Auetaler Bürgermeisterkandidaten Kraschewski, sondern auch den amtierenden Bürgermeister Thomas Priemer, der in Rinteln kandidiert. Gerüchte kursieren, nach denen Priemer Einfluss auf die Kandidatenwahl genommen habe, indem er kurzfristig bei Mitgliedern im östlichen Auetal angerufen und sie dazu bewegt habe, zur Versammlung zu gehen und Kraschewski zum Kandidaten zu wählen. Von Ämtervererbung unter Freunden ist die Rede. Die betroffenen SPD-Mitglieder reagieren auf Nachfrage der Zeitung alle ähnlich, sie grinsen breit und verneinen diese „Unterstellung“, von Priemer oder im Auftrag von ihm angerufen worden zu sein. Priemer äußerte sich so: „Das ist auch völliger Blödsinn. Mehr werde ich dazu auch nicht sagen.“

Doch wie ist es überhaupt zu den Querelen gekommen?

Für die bevorstehende Bürgermeisterwahl hatten sich der SPD-Vorstand und die Wahlkommission über sieben Wochen intensiv mit der Kandidatenfrage beschäftigt. Das daraus resultierende Votum des Vorstandes sei eindeutig gewesen. Rüdiger Teich, Heinz Kraschewski und Eckhard Ilsemann waren in die engere Wahl gekommen und am Ende sprach sich der SPD-Vorstand für Ilsemann aus. Vorstand und Wahlkommission waren sich sicher, dass die Mitglieder ihrem Vorschlag folgen würden. Doch es kam anders: Die Mitglieder wählten Heinz Kraschewski (wir berichteten). Aus Sicht des Vorstandes ein Vertrauensbruch, den man so nicht hinnehmen mochte. „Auf der nächsten Vorstandssitzung habe ich daraufhin meinen Rücktritt als 1. Vorsitzender des SPD-Ortsvereins bekannt gegeben und so die Verantwortung für den Ausgang der Wahl des Bürgermeisterkandidaten übernommen, da ich als Vorsitzender nicht das Vertrauen der SPD-Mitglieder hatte“, erklärte Spenner. Nach einer kurzen Diskussion in der Vorstandssitzung wurde dann aber schnell deutlich, dass der gesamte anwesende Vorstand die Verantwortung übernehmen wird. Somit haben auch Imke McGinty, Hans-Jürgen Bethge, Wolfgang Ulbrich und Olaf Watermann ihren Rücktritt erklärt. Rüdiger Teich hatte sofort nach der Mitgliederversammlung seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern erklärt. Lediglich der Kassierer Wolfgang Niemann wird sich wohl bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung, die am 30. Mai stattfinden soll, wiederwählen lassen.

„Wir machen damit den Weg frei für einen neuen Vorstand und hoffen, dass unsere Nachfolger mehr Vertrauen von den SPD-Mitgliedern bekommen. Wir hoffen auch, dass die Mitglieder, die uns das Misstrauen ausgesprochen haben, jetzt Verantwortung übernehmen und die SPD Auetal weiterführen“, sagte Spenner.

Das Misstrauen war vor allem von Mitgliedern aus dem östlichen Auetal durch die Wahl von Kraschewski zum Bürgermeisterkandidaten entstanden. „Die aus dem Westen wollten uns einen Kandidaten aufdrängen. Das konnten wir uns doch nicht gefallen lassen und so hat das östliche Auetal zum Gegenschlag mobil gemacht“, erzählte der Escheraner Heino Tegtmeier gegenüber dieser Zeitung. Obwohl sich eigentlich am Wahlabend nur noch Eckhard Ilsemann den Mitgliedern vorstellen sollte, „beorderte“ Spenner auch Rüdiger Teich und Heinz Kraschewski zur Versammlung. Alle drei stellten sich vor, wobei Teich und Kraschewski zu dem Zeitpunkt eigentlich mit ihrer Kandidatur abgeschlossen hatten. Dann folgte die Abstimmung mit dem überraschenden Ergebnis.

Ein bitterer Beigeschmack bleibt allerdings, denn Spenner hat verkündet, dass er sich mit Priemer politisch nicht mehr an einen Tisch setzen werde. Bei Ausschuss- und Ratssitzungen lässt er sich in den nächsten Monaten vertreten. „Erst wenn der neue Bürgermeister im Amt ist – und ich gehe davon aus, dass der Kraschewski heißt –, werde ich meine politische Arbeit fortsetzen“, so Spenner. Der Kathrinhagener wird seine Ämter in den Ausschüssen, im Rat und als Ortsvorsteher – ebenso wie die weiteren zurückgetretenen SPD-Vorstandsmitglieder – bis zur nächsten Kommunalwahl in gut zwei Jahren fortführen. „Dann werden wir, jeder für sich, entscheiden, ob und wie wir politisch weiterarbeiten“, sagte Wolfgang Ulbrich. Spenner: „Für mich ist Politik im Auetal nicht mehr das erstrebenswerte Ziel. Ob ich auf Kreisebene weitermache werde ich dann sehen.“

Klar ist für alle Zurückgetretenen aber, dass sie Heinz Kraschewski in seinem Wahlkampf unterstützen. „Wir stehen zu unserem Kandidaten und tun alles dafür, dass er ein gutes bis sehr gutes Ergebnis erzielt und wir sind sicher, dass er der neue Auetaler Bürgermeister wird“, sagte Spenner. Im Wahlkampfteam vermissen die Zurückgetretenen allerdings alle diejenigen, die Kraschewski zum Kandidaten gewählt haben. „Von denen hat sich noch niemand am Wahlkampfstand blicken lassen“, stellte Spenner fest.

Sich gelassen zurücklehnen können sich im Auetal die CDU und WGA. Sie hatten kundgetan, dass sie die Wahl von Heinz Kraschewski zum Bürgermeister unterstützen würden. Sie haben ihren Wunschkandidaten – und eine SPD vor dem Scherbenhaufen.

Foto: rnk/pr
Beim Kampf um den Bürgermeisterposten im Rathaus steht die SPD vor einem Scherbenhaufen: Dem Ortsverein fehlt der Vorstand.